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Tagesausgabe

Österreichs Gebäudesanierungen im Fokus: ETHOUSE Award 2023

Der ETHOUSE Award zeichnet Österreichs herausragende Gebäudesanierungen aus, die bis zu 95 Prozent weniger Energie verbrauchen. Erfahren Sie mehr über die Innovatoren und Trends.

Clara Schmitt··4 Min. Lesezeit

In der Welt der Energieeffizienz nehmen viele an, dass die höchsten Einsparungen immer mit den neuesten Technologien und aufwendigen Renovierungsprojekten verbunden sind. Man könnte glauben, dass es vor allem die moderne Architektur und innovative Materialien sind, die die Energiekosten in die Knie zwingen. Doch das Gegenteil könnte zutreffen. Die besten Gebäudesanierungen, die beim ETHOUSE Award ausgezeichnet werden, zeigen, dass oft einfache, aber durchdachte Ansätze zu spektakulären Ergebnissen führen können.

Auf den ersten Blick der Konvention

Die konventionelle Ansicht hat durchaus ihren Reiz: Neue, komplexe Systeme und smarte Technologien versprechen, die Effizienz von Gebäuden erheblich zu steigern. Auch in der Architekturszene wird häufig betont, dass Größe und Extravaganz gleichbedeutend mit Effizienz sind. Diese Perspektive ignoriert jedoch einen entscheidenden Faktor: nicht alle Renovierungen müssen mit den neuesten Errungenschaften der Technik ausgestattet sein, um erfolgreich zu sein. Stattdessen zeigen zahlreiche Projekte, dass durch kluge Planung, die Berücksichtigung der vorhandenen Bausubstanz und lokale Gegebenheiten maßgebliche Energieeinsparungen erzielt werden können.

Ein Beispiel lässt sich leicht finden: In vielen ländlichen Regionen Österreichs gibt es historische Gebäude, die durch einfache, aber effektive Maßnahmen wie ökologische Dämmung, moderne Fenster und eine gezielte Nutzung der Sonne renoviert werden können. Diese Maßnahmen erfordern oft keine übermäßigen Investitionen in hochmoderne Technologie, sondern setzen auf das, was im bestehenden Rahmen möglich ist. Solche Projekte haben nicht nur den Energieverbrauch um bis zu 95 Prozent reduziert, sondern auch die Lebensqualität der Bewohner erhöht.

Ein weiteres Argument gegen die Herangehensweise, alles auf neue Technologien zu setzen, liegt in der Nachhaltigkeit. Je komplexer die Technologie, desto anfälliger wird sie oft. Insbesondere in Zeiten globaler Lieferengpässe und der Notwendigkeit, Ressourcen verantwortungsvoll zu nutzen, ist es oft klüger, bewährte Methoden zu kombinieren. Der ETHOUSE Award ermutigt zur Berücksichtigung der gesamten Lebensdauer eines Gebäudes und seiner Energieeffizienz.

Schließlich gibt es einen sozialen Aspekt, der nicht übersehen werden darf: Renovierungsprojekte fügen sich nicht nur in den architektonischen Kontext ein, sondern können auch die Gemeinschaft stärken. Indem lokale Handwerker und Unternehmen in den Renovierungsprozess einbezogen werden, entstehen nicht nur Arbeitsplätze, sondern es wird auch ein Bewusstsein für lokale Ressourcen und Fähigkeiten geschaffen. Die besten Sanierungsprojekte, die für den ETHOUSE Award nominiert werden, sind oft Beispiele für die Rückbesinnung auf lokale Traditionen. Sie stärken die Identität der Region und zeigen, dass Nachhaltigkeit auch im sozialen Gefüge verankert sein kann.

Der ETHOUSE Award, der seit einigen Jahren für Schlagzeilen sorgt, hat die Aufgabe, genau diese innovativen Ansätze sichtbar zu machen. „Wir suchen die besten Lösungen, die sowohl ökologisch als auch ökonomisch sind“, erklärt die Jury. Dabei wird nicht nur die technische Effizienz bewertet, sondern auch, wie gut sich das Projekt in die bestehende Umgebung einfügt. Es geht nicht nur darum, dass die Zahlen stimmen, sondern auch um die Frage, wie die Renovierung die Lebensqualität der Menschen verbessert.

In Österreich gibt es eine Vielzahl an Beispielen, die eindrucksvoll zur Schau stellen, wie durch intelligente Sanierungen der Energieverbrauch drastisch gesenkt werden kann. Das zeigt sich nicht nur in den nominierten Projekten des ETHOUSE Awards, sondern auch in den etlichen Initiativen zur Förderung von Energieeffizienz. Es ist ein Zeichen für das wachsende Bewusstsein, dass nicht nur aus technischem Blickwinkel, sondern auch unter sozialen und ökologischen Aspekten nachhaltig gebaut und renoviert werden muss.

Die mehrjährige Erfahrung der ETHOUSE Award-Jury hat gezeigt, dass Renovierungen mit Blick auf die bestehenden Gegebenheiten oftmals erfolgreicher sind. Während bei vielen Projekten die Kosten für die neuesten Technologien eine hohe Hürde darstellen können, bieten bereits bestehende Strukturen oft viel Raum für kreative Lösungen. Dieses Umdenken könnte auch einen grundlegenden Wandel in der Bau- und Renovierungsindustrie einläuten, in dem mehr Wert auf das Zusammenspiel von alten und neuen Techniken gelegt wird.

Das letztendlich wohl überzeugendste Argument ist jedoch, dass Gebäudesanierungen nicht nur ökologisch sinnvoll, sondern auch gesellschaftlich nötig sind. In Anbetracht der drängenden Klimafrage und der Notwendigkeit, den Energieverbrauch zu senken, sind kluge Renovierungen ein Schritt in die richtige Richtung. Und der ETHOUSE Award bietet eine wertvolle Plattform, um all jene Projekte ins Rampenlicht zu rücken, die nicht nur durch herausragende technische Lösungen bestechen, sondern auch durch ihre Fähigkeit, Menschen zusammenzubringen und letztlich eine nachhaltige Zukunft zu gestalten.

In dieser Hinsicht zeigt sich, dass der ETHOUSE Award nicht nur eine Auszeichnung für besondere Gebäude ist. Vielmehr steht er für ein neues Verständnis von Renovierung, das sowohl die alten als auch die neuen Ansätze miteinander verknüpft. So wird die Zukunft des Bauens nicht nur durch technische Innovationen, sondern auch durch unsere Fähigkeit geprägt, Nachhaltigkeit neu zu denken und Traditionen zu bewahren.

Der ETHOUSE Award ist somit nicht nur ein Wettbewerb, sondern auch ein Anstoß für die gesamte Branche, darüber nachzudenken, was Erfolg in der Gebäudesanierung wirklich bedeutet.

Die Zusammenarbeit zwischen Architekten, Ingenieuren, Handwerkern und der Gemeinschaft ist der Schlüssel zu einer erfolgreichen Sanierung, die nicht nur den Energieverbrauch senkt, sondern auch das gesellschaftliche Miteinander stärkt.